Über Sortendetektive im Bürgergarten
Neue Aktivitäten und alte Sorten in den Plätschwiesen

Im Bürgergarten in den Plätschwiesen tut sich wieder was, nachdem Corona bedingt in den letzten Wochen nur vereinzeltes Bepflanzen möglich war. Den Auftakt macht der Nürtinger Pflanzenökologe Professor Roman Lenz, der am Sonntag, den 28. Juni um 14.00 Uhr dort ein gemeinsames Projekt von „Genbänkle“, dem Sortenretter-Netzwerk, und LOGL, dem Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft, vorstellt: Mit Hilfe von „Sortendetektiven“ sollen im ganzen Land alte und verschollene Gemüsesorten ausfindig gemacht werden. In manchen Gärten schlummern oft unerkannt diese Gartenschätze. So wurden erst kürzlich die als ausgestorben geltenden Sorten „Hagnauer Rote Bohne“, die „Söflinger Zwiebel“ oder die „Nürtinger Hockerbohne“ wiedergefunden und vermehrt.

Anschließend wollen sich die Bürgergärtner über die Spielregeln für das Gelände austauschen. Aus den vorgesehen zwei Kompostern sind vier Abfallhäufchen geworden, zwei vernachlässigte Beete streuten den Distel- und Löwenzahnsamen über die anderen Areale, und neben den Schnecken hat sich auch eine gefräßige Maulwurfsgrille angesiedelt. Bekämpfen? Und wie? Oder den Zehnten überlassen? Wieviel laissez faire darf, wieviel Ordnung muss sein? Über unterschiedliche Gartenstile hinweg muss ein gemeinsamer Nenner gefunden werden.

Trotz der Corona gedämpften Zeit hat sich im Garten aber einiges getan. Zwar konnten die Kinder vom Kinderhaus am Neckar und der Bodelschwingschule bislang nicht kommen, aber die Beete werden von den Erziehern trotzdem angebaut. Das weitläufige Gelände ermöglicht die Einhaltung des Sicherheitsabstandes. Peter hat die Apfel- und Quittenbäumchen fachkundig beschnitten, Jörg eine Kräuterschnecke gebaut mit Zitronenthymian, Rosmarin und Liebstöckel, dem sogenannten Maggikraut und Ali, der durch Corona in seiner Ausbildung im Messebau ausgebremst wurde nutzte die freie Zeit zur Sanierung des Kamingrills.

Jetzt im Juni leuchten die Träuble und die Erdbeeren schon rot, auf dem Genbänkle-Feld hat der seltene rötliche Rosenkohl Samen gebildet, daneben wachsen alte Landsorten von Bohnen und Kartoffeln. Auf den anderen Beeten blüht die lila Haferwurzel, treiben Zwiebeln, Erbsen, Zucchini, Mangold und Salat, der den Fressattacken der Schnecken bislang getrotzt hat. Und bald schon kann geerntet werden.

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