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Juli 2018: Erntezeit im Bürgergarten

In den Plätschwiesen wächst eine bunte Mischung von Bauernblumen und Gemüsesorten

Die erste Gartensaison im Bürgergarten verspricht eine reiche Ernte. Trotz Hitze blüht und wächst es. Und der Garten wird mittlerweile auch von verschiedenen Gruppen genutzt.

Die Kleinen staunen, wie schnell die Bohnen in die Höhe schießen. Jetzt im August sind sie mindestens dreimal so groß wie sie selbst. Jeden Dienstagvormittag kommt Regine Necker mit ihrer Kindergartengruppe vom Denkendorfer Weg in Oberensingen in die nahegelegenen Plätschwiesen herübergelaufen. Sie haben eine der elf Parzellen im Bürgergarten angepflanzt – mit Erdbeeren und Zuckerschoten zum Naschen und einer bunten Blumenzeile, die Insekten und Schmetterlinge anzieht. Nebenbei wird probiert, ob die Brombeeren schon reif sind. „Die Stadtkinder lernen dabei, wie was wächst und wo etwa der Salat herkommt“, ist Regine Necker vom Bürgergarten begeistert.

Die anderen Gartenfreunde haben in der ersten Saison des gemeinsam von Bürgerstiftung und Bürgertreff zur Verfügung gestellten Grundstücks eine bunte Mischung von Bauernblumen und Gemüsesorten angepflanzt: unterschiedliche Tomaten, Gurken und Zucchini, verschiedenfarbige Salatköpfe, Mangold und gelbe Rüben. Dazwischen sorgen lila Cosmea Stauden, gelbe Sonnenblumen und orangene Ringelblumen für zusätzliche Farbtupfer. Kürzlich war eine Tai chi Gruppe da und hat den stadtnahen Ort für ihre Übungen genutzt.

Der ganze Stolz von Prof. Roman Lenz ist die Ecke mit neun traditionellen Kletterbohnen, die er zusammen mit Studenten der HfWU (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt) betreibt. Damit sollen die alten Sorten erhalten und zugleich ihr Wachstumsverhalten dokumentiert werden. Die noch relativ weit verbreitete Blauhilde keimte als erste und brachte bislang die größten Erträge, aber auch die Sorten Rall-Haiss, Hilds Allerfrüheste sowie die Spargel- und Wachtelbohnen wuchsen im Nürtinger Boden nicht schlecht. Etwas hinterher sind die Langenauer Stangenbohne und die gelbblühende Monstanzbohne.

Aber das Gartenjahr ist noch nicht zu Ende und die erste Erntesaison ist trotz der Hitze und Dürre vielversprechend. Der Apfelbaum hängt voll, die Brombeerbüsche biegen sich, und wenn man vom Schattenplatz unter der Linde quer über den Garten schaut , sieht man auf die beiden Pfirsichbäumchen, die reichlich Früchte tragen.

Die historischen Bohnensorten im Bürgergarten sowie die Bedeutung der Leguminosen für die Welternährung erklärt Prof Roman Lenz bei einer Führung vor Ort am 2. Oktober um 17.00 Uhr. Es fällt keine Gebühr an, nur eine Anmeldung über die VHS ist erforderlich. (F. Wehnert)

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April 2018: Im Bürgergarten beginnt die Gartensaison – Aufräumen, Unkrautjäten, Bohnen stecken

Im „Kindergarten“ blühen schon die Erdbeeren, die roten und grünen Salatpflänzchen trotzen hoffentlich der Schneckeninvasion und die ersten Keimlinge stoßen durch die Erddecke. Der Bürgergarten in den Plätschwiesen hat sich im April sichtbar verändert. Noch in der Winterpause fällten die Lehrlinge des Forstamtes und des Gartenbaubetriebes Bühler die wildwachsenden Walnussbäume, und der städtische Bauhof half kräftig mit, das Grundstück zu entrümpeln und die Anbaufläche zu mulchen. Mit den ersten warmen Tagen im April konnte dann die Gartensaison beginnen. Elf längliche Parzellen und vier kleinere Stücke sind eingeteilt und vergeben. Die Gartenliebhaber sind bunt gemischt: Jüngere und Ältere, Anfänger und Erfahrene, dazu Paten, die die Organisation mit übernehmen.

Die erste Aktion, das Verteilen des Rindermulchs auf den Wegen zwischen den Beeten förderte schon mal das Gemeinschaftsgefühl. Ebenso das Unkrautjäten und Reparieren. Jetzt funktioniert auch die Wasserpumpe wieder und den Trick, den es braucht, um sie in Gang zu bringen, ist auf einem Handyvideo festgehalten. Der Kindergarten setzt auf rasch Wachsendes und Naschbares wie Zuckererbsen und Erdbeeren, sowie Sonnenblumen für´s Auge. Weiter oben recken sich verschiedene Salate in die Sonne, daneben ist eine historische Karottensorte ausgesät, die Lobbericher Möhre und am Rand wachsen Zinnien. Am oberen Garteneck liegen schon die Holzlatten für die Stangenbohnen parat. Prof. Roman Lenz, Dekan für Landschaftsplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) und Spezialist für alte Gemüsesorten, will mit seinen Studenten dieses Jahr ein Beet mit historischen Stangenbohnen anpflanzen, etwa die inzwischen fast verschwundene Monstranzbohne. Sie verdankt den Namen ihrer eigenwilligen Zeichnung und einer Legende. Danach soll ein Dorfpfarrer mit Bohnenkernen den vergrabenen Kirchenschatz markiert haben. Er wollte ihn vor den anrückenden Schwedenreitern zu Zeiten des 30jährigen Krieges schützen und sicher gehen, dass er ihn nach der Schlacht wiederfand. Wie die meisten Dorfbewohner starb er. Aber die wenigen Überlebenden bemerkten nach dem Krieg die Bohnenranken und die merkwürdig gezeichneten Kerne. Und als sie anfingen zu graben, entdecken sie ihre vermisste Monstranz wieder. Mit etwas Fantasie kann man auch die andere Bezeichnung nachvollziehen: Engelsbohne. Die oberschwäbischen Mönche bauten deshalb die Bohne als eiweißreiche Fastenspeise an. Und fromme Bauern pflanzten einige Bohnen am Rande des Ackers, gewissermaßen als Versicherung gegen Hagel und Unwetter. Vielleicht hilft die Bohne ja auch im Bürgergarten gegen Unwetter – und vielleicht sogar gegen Schnecken.

Dank einer großzügigen Spende des Hagebaumarktes verfügt der Bürgergarten inzwischen über Gießkannen und einige Gartengeräte. Weitere Gerätschaften und vor allem Gartenmöbel sind willkommen. Wer Guterhaltenes abgeben möchte bitte unter der E-Mail info@buergerstiftung-nuertingen.de melden. (F. Wehnert)