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Förderschwerpunkt für 2009-2011
„Stadtteilmütter/-paten machen’s vor“

Burak ist sechs. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hat genau wie seine Geschwister zwei Jahre lang den Kindergarten besucht. Seine Eltern leben bereits in der dritten Generation in Deutschland. Trotzdem spricht Burak nur sehr gebrochen Deutsch. Seine Eltern haben die Sprache nie richtig gelernt, zu Hause wird ausschließlich türkisch gesprochen. Und auch im Kindergarten wurde sein Spracherwerb nicht ausdrücklich gefördert. Dieses Jahr kommt Burak in die Schule. Seine Eltern gehen davon aus, dass er keine Probleme haben wird, dass er dort Deutsch lernt und gute Noten mit nach Hause bringt, schließlich ist er ein aufgewecktes Kind. In diesem Glauben sind schon viele Eltern enttäuscht worden: Die meisten Kinder aus Migrantenfamilien, die nur wenig oder keine Deutschkenntnisse besitzen, haben geringe Chancen auf einen guten Schulabschluss und gute Noten. Oft reichen ihre Leistungen gerade für die Haupt- oder Sonderschule. Immer mehr Jugendliche verlassen die Schule sogar ohne Abschluss.

Verantwortung wird abgegeben
Bisher gelingt es keiner Institution, diese Benachteiligung aufzuheben. Die Eltern sind oft überfordert, sprechen selbst gar nicht oder nur schlecht Deutsch und geben dieses falsch weiter. Ihnen fehlt auch das Wissen darüber, dass sie durch eine gelungene Vermittlung ihrer Muttersprache für die Zweisprachigkeit ihrer Kinder und deren schulischen Erfolg einen großen Beitrag leisten könnten. Die Verantwortung für deren Bildungserfolg sehen sie vielmehr bei den vorschulischen und schulischen Institutionen. In Kindergärten und Schulen hingegen fehlt es an entsprechendem Personal, guten Konzepten, der richtigen Ausbildung oder an Zeit für eine individuelle sprachliche Betreuung. Verantwortung wird auch dort abgewälzt und auf andere Institutionen oder die Eltern übertragen.

Die Stadtteilmütter/Stadtteilväter
Das Kernstück des Projektes stellt die Förderung und Aktivierung der Eigenpotenziale von Migranteneltern in den Mittelpunkt des Programms. Eltern mit Migrationshintergrund werden als Elternanleiterinnen ausgebildet. Sie eignen sich für diese Rolle, wenn sie zweisprachig sind, selbst Kinder haben und ihre Kinder den Kindergarten besuchen, in der sie andere Mütter/Väter anleiten, wenn sie sich im Stadtteil gut auskennen und von den Frauen/Männer, die sie „unterrichten“, anerkannt werden. Ihnen zur Seite werden deutsche Mütter/Väter gestellt. Sie arbeiten als Tandem im Stadtteil zusammen. Die „Stadtteilmütter“ leiten einmal in der Woche für zwei Stunden eine Elterngruppe von fünf bis sieben Müttern. In dieser Zeit bespricht die „Stadtteilmutter“ mit den anderen Müttern das Programm für die ganze Woche, nach dem jede Mutter zu Hause mit ihren Kindern spielen, basteln und lesen soll. Die Kinder sind begeistert. Ihre Mütter sind engagiert und nehmen sich Zeit für sie. Dass zu Hause gebastelt, gesungen, gelesen und gemeinsam gebacken wird, ist für viele Kinder neu. Die Aufmerksamkeit, die ihnen ihre Mütter jetzt entgegenbringen, tut ihnen gut und regt ihre motorische, emotionale und kognitive Entwicklung an.

Das Projekt zielt darauf individuelle Bedarfe vor Ort zu fördern, deswegen sollen Inhalte der Treffen nicht vorgegeben werden, sondern vor Ort erhoben und durchgeführt werden. Dabei sind mögliche Themen für die Treffen:

  • Medienkonsum
  • Kochen und Ernährung
  • Vereine und Organisationen (Museum, Bücherei, Rathaus ...)
  • Soziale Einbindung und ihre Organisationen
  • Bäder an Bedürfnisse von Migrantinnen anpassen
  • Kinderbetreuung auch gegenseitig möglich machen
  • Infoabend mit Vätern ...


Wie und was soll gefördert werden?

  • Kindergärten oder Stadtteilinitiativen, welche die Voraussetzungen erfüllen, können sich bewerben. Voraussetzung dabei ist, dass eine Kooperation zwischen Kindergarten und Stadtteilinitiative eingegangen worden ist
  • Förderung pro Jahr bis zu 5 Kindergärten mit je 3.000 Euro (die Tandems bekommen als Aufwandsentschädigung pauschal 150 € im Monat hinzu kommen Kosten für Materialien, Räume stellt die Stadtteilinitiative oder der Kindergarten zur Verfügung)
  • Qualifizierung von Tandems in Zusammenarbeit mit die Anlaufstelle Interkulturell, der Kindergarten-Fachberatung und der Sprachhilfe
  • Über 3 Jahre beispielhaft und flächendeckend entwickeln. Das Projekt wird begleitet und ausgewertet durch die Anlaufstelle Interkulturell.


Ziele:

  • Implementierung von 3 Projekten (Kindergarten + Stadtteilinitiative) im ersten Jahr, 3 weitere im zweiten Jahr
  • Projekt soll zum nach langfristig zum Selbstläufer werden
  • Kindergärten sollen von der Arbeit profitieren: (Sprach-)barrieren zu Migranteneltern sollen abgebaut werden


Inhalte der Qualifizierung der Tandems:

  • Methoden zur Arbeit mit Gruppen (Wie kann ich alle einbinden?)
  • Wie gewinne ich Eltern bei dem Projekt mitzumachen
  • Ideensammlung Gesprächsleitung
  • Wie plane ich ein Treffen?

Aufgaben der verschiedenen am Projekt beteiligten:

  • Tandem (Mutter(Vater) mit Migrationshintergrund/deutsche Mutter (Vater))
  • Leitung der Treffen (die Treffen können vormittags, nachmittags oder abends stattfinden)
  • Begleitung der Mütter und Väter
  • Organisation von weiteren Veranstaltungen, die gemeinsam beschlossen werden (z.B. Familientreffen, gesundes Frühstück... )
  • keine Beratung von Müttern/Vätern sondern Einbindung in ein Netz von
    Hilfsangeboten
  • Einbindung der Arbeit in die Stadtteilarbeit/Kindergartenarbeit


Erzieherinnen/Kindergarten:

  • gemeinsam mit dem Tandem Ideen entwickeln, was an den Treffen besprochen werden soll
  • Werbung bei Müttern/Vätern
  • Einbindung des Projekts in die Kindergartenarbeit
  • Rücksprache mit dem Tandem

Stadtteilinitiative/Nachbarschaftsinitiative

  • Raum zur Verfügung stellen
  • Einbindung in die Stadtteilarbeit

Bürgerstiftung

  • Qualifizierung des Tandems
  • Organisation und Durchführung regelmäßiger Austauschtreffen
  • Koordination des Gesamtprojektes
  • Öffentlichkeitsarbeit

Das Projekt wurde entwickelt unter Beteiligung der Geschäftsstelle für Bürgerengagement, des KUSS-Amts, der Kindergartenfachberatung und des Erzieherinnentreffs.

Bewerbungsschluss: 26.Juni 2009
Den Fragebogen zur Bewerbung finden Sie rechts im Bereich "Downloads"

an: Bürgerstiftung Nürtingen und Umgebung, c/o Bürgertreff, Marktstr. 7, 72622 Nürtingen

Für Rückfragen zur Ausschreibung: Katrin Fehrle, katrin@fehrle.net

 

... und so ist der Stand der Dinge

So sind die Stadtteilmütter und -väter in das Projekt gestartet

Wie entwicklet sich die Arbeit der Stadtteilmütter und -väter?